Erschienen: Lebensübergänge Online (Essay)

Die Semantic Web Company hat im Rahmen des Projekts “Zukunfsweb.at” nun als Abschluss ein Buch mit Essays veröffentlicht:

Was genau ist das „ZukunftsWeb“? Welche Chancen und Risiken birgt das Web von morgen für Individuum, Gesellschaft und Wirtschaft? Stichworte lauten etwa „Digital Citizen“, „Real Time Web“, „Web of Things“, „Open Government Data“ und mehr. Internationale Medien identifizierten vielerorts unabhängig voneinander die Brisanz und Vielfalt des Themas und formulierten die „Frage des Jahres 2010“: Wie verändert uns das Internet? Im Rahmen des Projektes http://www.zukunftsweb.at stellten sich Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und die interessierte Öffentlichkeit einer Reihe von offenen Fragen zu diesem Themenkreis. Das ZukunftsWebBuch 2010 vermag in essayistischer Form prickelnde Antworten, Ausblicke und Perspektiven zu liefern.” ISBN: 3950237275

In dem Buch ist auch ein kurzer Beitrag von mir erschienen, der nichts mit meiner Forschung zu tun hat sondern in dem ich mich über die Gestaltung von wichtigen Lebensabschnitten der Onliner wundere. Der Einstieg – und die letzten beiden Absätze:

“Geburten werden öffentlich angezeigt, Eheschließungen und auch Todesfälle. Im Aushang am Standesamt, im Kirchenanzeiger oder im Bericht der Tageszeitung wird die Öffentlichkeit darüber informiert. In einer Zeit, wo sich Freundschaften, Ehen und Geschäftsverbindungen im Internet anbahnen, werden Lebensübergänge auch dort angekündigt.

Ein Kind ist geboren! Die Familie und Freunde werden mit der freudigen Nachricht per Anruf und Kurznachricht informiert. So war das früher zumindest. Heute wird das erste Foto auch im sozialen Netzwerk eingestellt, mit Gewichtsangabe und präziser Geburtszeit. Wie das halt so stolze Eltern tun. Arbeitskollegen, Schulfreunde, Geschäftspartner und wen mannoch so kennt, beglückwünschen. In der Kurzversion, indem sie den Knopf „gefällt mir“ drücken. Der stolze Onkel informiert seine Gefolgschaft, im Jargon „Followers“, via Twitter: „Ein süßer Bub! Jan Luca, 3.212 g!“ Das Netzwerk leitet es an Freundesfreunde weiter: „RT @LucasOnkel: Ein süßer Bub! Jan Luca, 3.212g!“. Doch damit nicht genug. Kaum zu Hause, gibt es es den Nachschlag: Der Sprössling erhält ein eigenes Profil beim sozialen Netzwerk Facebook. Mama und Papa sind die ersten Freunde. Wie nett. Oder?

(…)

Die Sozialwissenschaften, zumindest der Teil, der sich den neuen virtuellen Kommunikations- und Lebenswelten zuwendet, steht dem ganzen ein wenig hilflos gegenüber. Man weiß, dass bei jedem neuen Medium laute Kritik und Mahnungen zu hören waren: Die Postkarte, das Telegrafieren, das Privatfernsehen, das Mobiltelefon bis hin zur SMS: Die Kultur des Abendlandes ist ständig bedroht. Trotzdem muss man ja nicht die Digitalisierung und die Veröffentlichung des Privatlebens protestlos und ohne Alternativen hinnehmen.

Prof. Viktor Mayer-Schönberger fordert daher in seinem Buch „Delete!“ dazu auf, „das Internet“ dazu zu verpflichten, persönliche Daten nach einigen Jahre standardmäßig zu löschen. Ich werd doch gleich mal schauen, ob ich ihn bei Facebook finde. Ihn hätte ich gern zum Freund! Und ich drück dann auch gleich auf: Gefällt mir.”

  • Schaffert, Sandra (2010). Lebensübergänge Online. In: Marion Fuglewicz-Bren, Martin Kaltenböck, Günther Friesinger, Thomas Thurner, Semantic Web Company (Hrsg.) ZukunftWebBuch 2010: Chancen und Risiken des Web 3.0. edition mono/monochrom, S. 66-70.
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