Aufbau und Gestaltung von L3T’s WORK

Ich habe es schon gleich nach der Veranstaltung angekündigt, dass ich noch etwas zu den Hintergründen der Gestaltung von L3T’s WORK schreibe. Es gab ja viele positive Reaktionen, auch auf das Design der Veranstaltung – und ich möchte einfach hier noch mal unsere Überlegungen und Gestaltung nachvollziehbar machen.

Bei L3T’s WORk ging es um die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien. Ich habe mich daher zunächst wenig mit einem didaktischen Design der Veranstaltung gekümmert sondern mich mit den eingesetzten Verfahren der Zukunftsforschung beschäftigt. Grundlage ist dabei aus Forschungsperspektive eine möglichst heterogen zusammengesetzte Expertenrunde. So war uns klar:

  • Die Teilnehmer müssen gezielt ausgewählt und auch eingeladen werden. (Was nicht einfach ist, wenn man sie nicht schon vorher kennt)
  • Und sie müssen natürlich Experten in ihrem Gebiet sein.
  • Ein paar kreative Köpfe wären fein.

Methodisch habe ich da und dort “abgekupfert”, wollte möglichst auch präzise Aussagen, zu unterschiedlichen Zeithorizonten: Delphimethoden (L3T’s see kann als Variante betrachtet werden, es war ein mehrstufiges Verfahren mit Austausch), das Verfahren des Roadmapping (Teil bei L3T’s vision), die Zukunftswerkstatt (Blick zurück), Think Tanks (Teil bei L3T’s vision) sowie Wetten (L3T’s bet) sind solche Verfahren der Zukunftsforschung, die hier Einfluss gefunden haben.

Ablauf

Und so sah der Ablauf dann aus:

  • Ankommen und Kennenlernen: Registrierung, Stehkaffee, ein „Erwartungs­spiegel“ (Erwartungen der Teilnehmer wurden dazu im Vorfeld gesammelt und unterhaltsam inszeniert), Open-Space-Gruppenvorstellung (woher kommt eigentlich wer?), schließlich persönliche moderierte Vorstellung der Teilnehmer/innen, Vorstellung der Agenda
  • Blick zurück: Sammlung von wichtigen und typischen Lern- und Lehrmaterialien der letzten 40 Jahren an Pinnwänden, Präsentation der Sammlung durch die vier „Dekadenkuratoren“ und Auswahl von Erfahrungen und Dingen, die man mit in die Zukunft mitnehmen möchte („Wir packen den Koffer für die Zukunft“).
  • L3T’s see – die nächsten 5 Jahre: Identifizierung zentraler Trends für Lern- und Lehrmaterialien in den nächsten fünf Jahren für unterschiedliche Akteure, z. B. Autoren, Lehrende, Lernende, Verleger (flexible Gruppenarbeit), Präsentation, Diskussion und Überarbeitung der Trends (Plenum), Formulierung von bis zu 10 Aussagen zu Lern- und Lehrmaterialien in den nächsten 5 Jahren (flexible Gruppenarbeit), danach Punkten (jede/r Teilnehmer dort, wo er will, auch in anderen Gruppen).
  • L3T’s vision – Was könnte sein? Start mit drei parallelen „Kreativ“-Sessions (Kino mit studentischen Filmen zur Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien, Improvisationstheater Workshop „Zukunftsmomente“, Gespräche mit Kindern), im Anschluss Ideensammlung sowie Präsentation von Ideen zu Visionen auf dem „Markt der Visionen“ (Teilnehmer machen hier Werbung für ihre Idee und suchen Mitstreiter für die Bearbeitung), im Anschluss detaillierte Bearbeitung der Visionen (Was ändert sich wenn sie eintritt? Rückblick: Wie kam es dazu?), Vorstellung der Visionen im Plenum, Auswahl der am meisten gewünschtesten und der realistischen Vision.
  • L3T’s bet – Wetten zur Zukunft: Teilnehmer setzen im Rahmen des Abendessens Jetons zu 12 vorbereiteten Aussagen, nach jeweils 6, 12 und 18 Monaten wird ein Wettkönig bestimmt.
  • Mini-Open-Space — 90 Minuten lang gab es Raum und Zeit, dass sich die Teilnehmer/innen eigene Projekte vorstellen konnten, was intensiv genutzt wurde
  • Öffentliche Präsentation: Die Öffentlichkeit war geladen, sich erste Ergebnisse der Veranstaltung im Rahmen eines kleinen Empfangs anzuhören und mit Hilfe über Nacht produzierter Videos auch Eindrücke zur Veranstaltung zu erhalten.

Achja, für alle die neugierig geworden sind, vieles findet sich hier ausführlicher dokumentiert, eine Publikation folgt demnächst.

Zielsetzungen

Zunächst wollten wir mehr über die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien erfahren und hier auch konkrete Ergebnisse erhalten. Eher auf erwachsenenpädagogischen Überlegungen und denen zu “Lernevents” ( was ich mir bei Dr. Herman Will abschauen konnte) sind folgende:

  • Teilnehmeraktivierung: Abwechslungsreiche Methoden, Überraschendes und starke Einbindung der Teilnehmer. sie wurden so beispielsweise schon vor Beginn der Veranstaltung gebeten, die Moderation der Begrüßungsrunde zu übernehmen. Auch wurde für den letzten Tag ein 90 minütiger Open-Space geplant – der intensiv genutzt wurde!
  • Teilnehmerverantwortung aufzeigen: Wir sind für den Rahmen, die Teilnehmer für die Aktivität verantwortlich. Wir haben das nicht nur gesagt und angekündigt sondern haben daher bewusst auf eine formelle Ansprache und Begrüßung durch die Organisatoren verzichtet bzw. erst nach rund 90 Minuten als Organisatoren das Wort ergriffen. Man könnte das auch unter Teilnehmeraktivierung subsummieren, aber uns war wichtig, zu zeigen, dass der Erfolg der Veranstaltung in den Händen aller Teilnehmer liegt.
  • Inhaltliche Einstimmung der Teilnehmer: Die Teilnehmer erhielten zwei Wochen vor der Veranstaltung einen Reader (und weiteres) per Post
  • Vorbereitung und Moderation der Veranstaltung: Es ist glaube ich kein Geheimnis, dass ich mir hier wirklich viele Gedanken gemacht habe, weil es sich zumindest teils um pädagogisch vorgebildete und überaus kritische Personen handelt, die nicht ohne weiteres jeden aufgesetzten (überflüssigen, unpassenden) Methodenzirkus mitmachen. Vorbereitete Materialien (z. B. Plakate, die vorstrukturiert sind) schätze ich selbst sehr. Es gab einen detaillierten Plan zum Ablauf, jeweils Verantwortlichkeiten, zu erledigende Arbeiten etc. Der Plan enthielt übrigens viele Zeitpuffer, die oft nicht gebraucht wurden. Das entspannt auch selbst als Organisator.
  • Abwechslungsreiche Methodik: Klein- und Großgruppen, Rollenwechsel, flexible Situationen, Plenum, sogar Improvisationstheater.
  • Freundschaftliche, persönliche Atmosphäre schaffen: Ein Badge mit Namen ist wohl Standard, uns war eine persönliche Begrüßung wichtig (bei der Registrierung), das Orga-Team hat am Abend vorher extra noch eine Foto-Namen-Session gemacht (!), es lagen Fotos der Teilnehmerinnen für den Steckbrief bei der Vorstellung bereit, es gab informelle Gelegenheiten des Kennenlernens (Stadtführung, Gi-Gong etc.). Ein richtiger “Zeitfresser” und daher länger diskutiert war die persönliche Vorstellung jedes Teilnehmers (streng moderiert von zwei Teilnehmerinnen, max. 1 Minute) – aber um richtig anzukommen muss man sich auch einfach vorstellen müssen, und zwar selbst. Dass Kinder dabei waren, auch als offizielle “Experten” im Rahmen der “Gespräche mit Kindern” sorgte hier nach Auskunft der Teilnehmer/innen auch für familiäre Atmosphäre.
  • Feierlicher Abschluss: Wer gemeinsam arbeitet und lernt, sollte auch abschließend feiern. Damit das ein wenig Form bekommt, haben wir dazu die Räumlichkeiten gewechselt, die Öffentlichkeit eingeladen (tatsächlich kam sogar u.a. ein Journalist!) und Sekt gabs auch. Videos über die Aktivitäten der Teilnehmer passen da gut.
  • Dokumentation der Ergebnisse: Erst mal war es wichtig “fixierbare” Ergebnisse zu erhalten (Thesen, Einschätzungen zu Wetten, Visionen) Dann: Damit es nicht nur eine nette Erinnerung bleibt, war uns eine (schnelle) Doku in Form von Videos und Fotos (wörtlich: Über Nacht!) wichtig, daher waren Drehbücher und Sequenzen schon vorbereitet

Was wir leider nicht hatten, was ich aber gerne gehabt hätte, ist eine “große Metapher”, wir haben zwar viele kleine verwendet (Markt der Visionen, Packen den Koffer), aber ich hätte gerne ein “großes Bild” gehabt. So haben wir stattdessen L3T “rund um” als “Marke”/CI der Veranstaltung verwendet und immer wieder auch in Details eingebunden, so gab es bei der Stadtführung ein L3T-Exemplar im Schaufenster einer Buchhandlung zu entdecken oder war auch auf gezuckerten Überzügen am Dessert zu finden.

Anregungen

Woher habe ich das, was ich da gemacht habe? – Natürlich habe ich ein pädagogisches Studium, habe zusätzliche WB-Qualifikationen etc. im Bezug auf Methodik und Gestaltung dieses Events muss ich aber auf Dr. Hermann Will und WUP (Will und Partner) hinweisen. Ich durfte als Studentin sehen, was man alles machen kann und wie man es gescheit machen kann. Dazu gibt es ein Buch - mit Geschichten über Lernevents, auch von solchen, bei denen ich dabei war – ich kann aber einfach nur empfehlen, eine Veranstaltung von seinem Team zu besuchen. Zu Nikolaus gibts wieder eine zu Lernevents. Nein, ich bekomme nicht für diese Empfehlung und sagt bitte schöne Grüße von mir! (-> er arbeitet gerne mit o.g. Metaphern und zieht die dann im großen Stil durch, unglaublich anregend!)

Und dann ist es natürlich immer wieder toll mit Guido Hornig zu arbeiten und zu sehen was mit Improtheater alles geht! Danke dafür!

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3 Antworten

  1. Danke für das Lob.
    Gibts ja nicht – das teure Buch… teuer, aber sehr gut.
    Übringens sind im Buch von Herrmann Will & Co auch einige Erfahrungen von mir dokumentiert, z.B. mag ich sehr S.360, das wertschätzende Interview.

    ich würde gern die Zukunftsmomente mal festhalten und beschreiben.
    Warst Du dabei? Hast du Lust eine Zeile oder auch mehr bei zu tragen? Etwas riskant hier ein Link zum Text – mal sehen ob das so ohne Passwort und Schutz auch klappt…(ich weiß, das ist gewagt)

    https://docs.google.com/document/d/1CGqpP8zhwCxq8e0Nq4qOPigRHuujMRDfKmWLPONh2Hc/edit

    Evtl. musste ich die Zugangsoptionen inzwischen ändern. Dann schreib mit ein e-Mail und ich nehme Dich in die Liste der Autoren auf.

    Guido Hornig
    actXcellence

    • Nein, ich war nicht dabei, erinnere mich nur an fröhliche Teilnehmer/innen die ganz überrascht waren, dass auch bei einer ganz “schrägen” und “anderen” Methode was tolles herauskam. Zum Beipiel das Ablaufdatum für Schulbücher. Wir können die Teilnhehmer/innen aber noch mal um Stellungnahmen bitten! lg

  2. [...] den L3T’s Work-Veröffentlichungen (in der bildungsforschung und der L3T-OER-Reihe), Dokumentation der Vorbereitung inklusive Literaturempfehlungen in ihrem Blog und dem Hinweis auf ihr Medienquiz, dass ich dann für den Einstieg genutzt habe, [...]

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