Diskriminierung bei der ÖBB: Familien mit vielen Kindern sind hier unerwünscht

In einem Weblog über das Lernen und Arbeiten mit Technologien, ist das ganze schön off-topic, aber die Politik schleicht sich ja auch manchmal ein😉

Ich habe mich schon vor ein paar Wochen maßlos über die Werbung für die neue „Vorteilscard Family“ aufgeregt, weil damit einfach nur Nachteile für Familien mit vielen Kindern verbunden sind und das dann noch als positiv verkauft wird.

oebb_vorteilscard

Anders als in Deutschland bei der DB & Co. fahren bei der ÖBB eigene Kinder nicht prinzipiell kostenfrei mit. Dazu benötigen Eltern eine eigene Vorteilscard, die auch noch kostet. Neu ist, dass beide Elternteile eine solche Karte kaufen müssen (sie gilt dann ein Jahr, kostet je 19 Euro). Bei der „alten“ Vorteilscard Familie musste man einmal 19 Euro zahlen und beide Elternteile konnten alle Kinder kostenfrei mitnehmen und zahlten selbst nur den halben Preis.

Bei der neuen Vorteilscard Family (ACHTUNG; JETZT IN ENGLISCH!)  kann man nun jederzeit auch bis zu zwei wildfremde Kinder (!) mitnehmen und zahlt für diese beiden nichts, und für sich selbst nur den halben Preis. Irgendwie klingt das ja modern und angepasst nur heißt das umgekehrt auch: Ab dem dritten eigenen Kind zahlt man wieder für das eigene Kind. Und hey, ja: zu meiner Familie gehören mehr als zwei Kinder! Ich bin übrigens keineswegs die einzige, die sich darüber aufregt, aber die Lobby für kinderreiche Familien scheint in Österreich reichlich schwach zu sein. Kostenargumente zählen für mich übrigens nicht: Wenn ich für meine zusätzlichen Kinder jemanden auf der gleichen Strecke finde, der eine Vorteilscard Family hat, kann der ja wiederum zwei weiterere unserer Kinder kostenlos mitnehmen (und zahlt selbst nur den halben Preis – hä?). Und überhaupt: Ich vermute, dass es insgesamt gar nicht viele Familien trifft, aber die eben dann doch hart: Ihre eigenen Kinder dürfen bei ihnen nicht kostenfrei mitfahren – und bei fremden schon ?! So viel Geld kann doch gar nicht eingespart worden sein für diese neue Regelung, so viele einzelne Elternteile mit mehr als 2 Kindern oder Paare mit mehr als vier Kindern reisen doch gar nicht mit dem Zug…

Und am Wochenende habe ich entdeckt, dass die neue Vorteilcard Family nun nicht mehr für den S-Bahn-Bereich gilt (die alte Vorteilscard Familie aber schon – zumindest laut Automat!), d.h. nicht mehr für meine Heimatstrecke vom (bayerischen!) Bad Reichenhall zum österr. Salzburg. D.h. die Familienermäßigung erhalte ich nun auch nicht mehr. Zum Normaltarif (für mich, Kinder gratis) kann ich dann meine Kinder von Deutschland aus auch über die Grenze mitnehmen, sollte aber auch gleich eine Rückfahrkarte buchen. Denn von Salzburg aus muss ich auch für die Kinder (da es S-Bahn-Tarif ist, und nicht ÖBB) nun für ALLE Kinder zahlen (Kinderermäßigung). Natürlich gibt es da prinzipiell eine Ausnahme: Die Salzburger haben einen Familienpass eingeführt, bei dem ALLE Kinder bei S-Bahn kostenfrei mitfahren. Na, und ich lese schon: Ich kann mir ja nicht als Deutsche erwarten, dass mir so ein Vorteil von Österreichern gewährt wird. Natürlich nicht! Nur: In Deutschland fahren die Kinder – und zwar auch österreichische –  kostenfrei. Und ich arbeite in Salzburg, bin dort also auch sozialversichert und erhalte meine Familienbeihilfe von dort (in Deutschland heisst das Kindergeld) aus Salzburg. Also: Ich erhalte auch alle Sozialleistungen für die Kinder aus Salzburg, aber eben nicht den Familienpass. Den Familienpass erhalte ich nur deshalb nicht, weil wir nicht in Salzburg wohnen. (Ich weiß wirklich nicht, ob jemand dem ganzen noch folgen will oder mag … aber diese Feinheiten sind ein großer Mist, wie so vieles, was man so als „Grenzgänger“ erleben darf.)  Allein diese Änderungen beim S-Bahn-Ticket werden uns vorr. 60 bis 100 Euro im Jahr kosten (obwohl wir die S-Bahn gar nicht so häufig nutzen). Und vermutlich werden beide Aktionen zusammen dazu führen, dass wir öfter mit dem Auto fahren werden, weil es einfach billiger ist.

Noch etwas zur ÖBB „Vorteils“card: Meine Beschwerde wurde sehr nett beim ÖBB-Schalter erfasst, von einer Mama (wie kann es anders sein), und ich habe netterweise für unsere Zugfahrt vier Plätze reserviert bekommen (d.h. die Reservierung gab es gratis). Und es kam, wie es kommen musste: Die vier Plätze waren „zerissen“, also nicht an einem Tisch/einer Einheit und wie immer war „durchgehend reserviert“, d.h. die Plätze drumherum auch belegt oder reserviert. Weder eines der Kinder wollte auf den „extra“ Sitz noch wollten sie, dass ich mich da hin setze. Also dann doch wieder zu viert auf drei Sitzen. (ist uns übrigens auch schon öfter bei der DB passiert…) Ich glaub ich wäre durchgedreht, wenn wir die Reservierung nicht so bekommen hätten und ich dafür auch gezahlt hätte (denn natürlich muss ich auch Reservierungen für Kinder zahlen, das scheint ja überall normal zu sein). So blieb es bei einem OHHHHM und einem Kind auf dem Schoß.  Familienfreundlich ist anders!

 

 

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