Mein österreichisches Lieblingswort der Woche: Trafikant/in #lieblingswort

Mein Vater hat sich vor vielen Jahren (ca. 20) an der Uni Salzburg eingeschrieben und ich bin mit, weil ich mir die Uni anschauen wollte – weil ich mich eben erst an der LMU in München eingeschrieben hatte. Wir kamen uns vor wie auf dem Mond. Dabei waren wir nur 40 km von unserem damaligen Heimatort entfernt. Statt zur „Einschreibung“ ging es zur „Inskriptionsstelle“, statt dem Abitur-Zeugnis war eine „Matura“ gefragt und dann hieß es: „Bitte kaufen Sie noch Gebührenmarken.“ „Wo gibt es die?“ „In der Trafik.“ „Wo ist das?“ „Unten raus, gleich ums Eck“. Gut, da sind wir dann hin, da war aber keine Uni-Einrichtung oder eine Behörde, aber immerhin ein Kiosk. Wir also: „Wir suchen bitte die Trafik.“ „Da sind Sie hier richtig“.  Wir haben noch lange über unseren seltsamen Ausflug gelacht, und dass es (damals) in Österreich noch Gebührenmarken gab, und die ausgerechnet im Kiosk – und alles so reichlich fremd war und wir so viele blöde Fragen stellen mussten, obwohl so nah. Jetzt wundere ich mich nicht mehr darüber, dass es alles lebensnotwenige in einer Trafik gibt (auch Tickets für den Zug, für die Westbahn) und kann es mir auch gar nicht mehr anders vorstellen. Hoch leben die TrafikantInnen!

Folie20

 

 

Anmerkung: Ich wohne und lebe in Bayern, nur 5 km von der Grenze entfernt und viele Worte, die jemanden aus Berlin oder Bremen vielleicht „österreichisch“ vorkommen sind im Bayerischen ebenso oder ähnlich im Gebrauch. Die Worte, die es mir angetan haben und die ich hier vorstelle, werden in der Regel aber nur in Österreich bzw. von Österreichern verwendet und ich finde sie bemerkenswert, mag sie, weil sie lustig klingen, überraschende Bedeutungen haben oder weil ich damit auch besondere Erinnerungen verbinde. Oft wusste ich einfach nicht, was meine österreichischen Freunde und Kollegen meinten – oder von mir wollten. Und ja: sicher gibt es vielleicht auch andere oder „bessere“ Bedeutungen – bitte einfach kommentieren, wenn es nicht (ganz) passt, danke! (Ich bin keine Sprachwissenschaft(l)er/in – und Österreicherin ja (leider) auch nicht!)

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4 Gedanken zu „Mein österreichisches Lieblingswort der Woche: Trafikant/in #lieblingswort

  1. Ja, die Trafiken sind eine Ur-Österreichische Einrichtung. In Wien gibts zum Beispiel die Parkscheine für die Kurzparkzone hauptsächlich dort (außer man nutzt das Handyparken). Die Trafiken sind auch ein Ausdruck des öster. Sozialismus – bevorzugt bekamen Invaliden, Witwen etc. in der Nachkriegszeit eine Trafikantenstelle. Es kann also nicht jeder einfach eine Trafik aufmachen – ebensowenig können Preise frei gestaltet werden.

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