Als ich meine Statistik ansah, konnte ich es nicht fassen! – Das Posting meines Lebens.

Tja, das war es wohl. Mein Gemotze über das Schulbuch meiner Tochter war vermutlich DAS Posting hier im Weblog – meines ganzen (auch zukünftigen) Bloggerlebens. Da habe ich schon so viele Beiträge mit Herzblut geschrieben, Projekte vorgestellt, die nur mit großem Aufwand gelingen konnten und gelangen, und dann: Das war er. Als kopfgesteuerte Forscherin wusste ich, dass das mit der Viralität eben auch von Zufällen abhängt, die man nicht steuern kann (sonst würden ja auch jedes Video „aufgehen“, das als virales Video produziert worden ist). Aber hätte es nicht vielleicht … ein Blogpost sei können, der mir richtig am Herzen liegt – über OER? Über L3T? über GOL14? Über die Maker Days for Kids? Egal. So haben sie nun meinen Blog überrannt. Ich hatte zwei Tage ständig damit zu tun, Beiträge freizuschalten (von Leuten, die sich ansonsten überhaupt nicht für mich oder meinen Blog interessierten, sehe ich ja auch an der Statistik!), die Zugriffe zu bestaunen und Kommentare zu lesen (ich dachte am Anfang noch, es wäre freundlich zu antworten … habe dann irgendwann  – es war, als die Kommentatoren miteinander anfingen zu diskutieren – einfach kapituliert).  Immerhin hatte mein Urlaub gerade begonnen, und ich musste dringend die Maker Days for Kids vorbereiten. Ich werde später mal noch ein wenig genauer aufzeigen, was da passiert ist. (Das schöne ist ja: Ich habe die Daten! :D) – Und zukünftig muss ich mir Gedanken machen, wie ich meine Weblog-Statistik wieder optisch so hinkriege, dass ich meine täglichen Schwankungen nach dem 40.000-Zugriff wieder auf den ersten Blick erkennen kann. Denn eigentlich sind die Zugriffe auch ganz passabel, wenn ich mal nicht über Schulbücher blogge 😉

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P.S. Sorry für den bekloppten Posting-Titel. Ich konnte es nicht lassen. Es passte einfach 😀

Das Informatik-Schulbuch meiner Töchter: Werft es weg – oder schafft den Informatik-Unterricht ab, denn so kann man auch gut darauf verzichten!

Schon letztes Jahr hatte das Buch die Große, dieses Jahr meine Zweitälteste. Und dieses Jahr kann ich es einfach nicht lassen und blogge ausführlicher darüber. Das Buch „Ikarus Informatik 6/7“ von Oldenbourg ist aus dem Jahr 2004. Meine jüngere Tochter ist 12, d.h. das Buch ist zwei Jahre jünger. Das Buch wird in ihrem Informatikunterricht genutzt – an einem bay. Gymnasium, 7. Jahrgangsstufe, im Schuljahr 2014/2015.

(Anmerkung für meine österr. Leser/innen: In Deutschland ist es üblich, dass Schulbücher über Generationen von Kindern weitergereicht werden, d.h. man darf auch nichts reinschreiben und sie sind nicht als Arbeitsunterlage, sondern eher als Nachschlagewerke gestaltet. )

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Das Buch kann weg! (Es ist doch kein Geschichtsunterricht!)

Im Buch brauchen E-Mail mehrere Minuten, da gibt es Diskettenlaufwerke und Audio-CDs und es werden Remote-Access-Einstellungen abgebildet (PPP) bei denen ich in die Klamottenkiste greife, wenn ich erkläre: „Als wir das genutzt haben hingen die Rechner noch am Kabel und wenn man ins Internet wollte, hat das Modem gepiepst“. – Das Buch stammt aus einer Zeit ohne mobiles Internet, W-Lan oder Smartphones. Gut, dafür kann das Buch nichts – und auch nicht die Autoren. Hier ist die Schule bzw. der Schulträger gefragt – und auch die Lehrer: Dieses Buch muss weg, wenn man nicht die Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnologien des letzten Jahrtausend im Unterricht thematisieren möchte.

Fehlanzeige beim Buch: Medienkompetentes Handeln

Was dann dazu kommt, sind Fehler („Ab 100 Folien pro Sekunde hast du einen Film“) und richtig weh tut das (medien-)pädagogische Herz bei den Verhaltensregeln für das Internet: „Benutze deinen wirklichen Namen, kein Pseudonym! Seine wahre Identität hinter einem Pseudonym zu verbergen ist feige.“ Hätte das nicht schon längst mal ein Lehrer im Unterricht in allen Exemplaren des Schulbuchs durchstreichen lassen müssen? (Zwar wird das für „Chat-Rooms“ relativiert, aber … )

Objektorientierung. Ähm. Ja.

Objektorientierte Programmierung war in meinem Studium (ist schon ein bisschen länger her, eigentlich) gerade neu in den Einführungsveranstaltungen für Informatiker im Nebenfach wie mich. Nur wenn ich diesen Hintergrund nicht hätte: Ich würde glaube ich nicht verstehen, warum in diesem Buch ständig alles (also z.B. E-Mail, Ordnerstrukturen, …) mit Hilfe von Attributen und co. erklärt würde. Nur: Ob die Schüler/innen verstehen, warum das immer und immer wieder Thema ist, ohne dass sie eine objektorientierte Programmiersprache kennenlernen? Und ob man so leichter eine objektorientierte Sprache lernt? Ich zweifle. (andere sind auch unglücklich). Und natürlich auch hier der Hinweis: Das Buch kann an dieser Stelle vermutlich gar nichts „dafür“, die objektorientierte Programmierung ist (so denke ich, habe nicht nachgeschaut) im Lehrplan verankert.

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Die Informatik braucht kein Buch, v.a. nicht so ein Buch – genauso wenig wie das Fach Sport und Kunst!

Wenn ich mir das Buch ansehe, und das liegt nicht nur daran, dass es hoffnungslos veraltet ist, verstehe ich sehr gut, dass meiner Großen völliges Unverständnis der Mitschülerinnen entgegenschlägt, wenn sie sagt, dass sie gerne programmiert und Spaß an Technik hat. Für mich zeigt das Buch schön (unabhängig davon, dass es veraltet ist), wie einfach es dem System Schule gelingt, ein eigentlich cooles Thema didaktisch „aufzuarbeiten“, dass es dann einfach nur – unspannend ist. (Was natürlich keine Wertung des Informatikunterrichts selbst ist, was der Lehrer daraus macht, kann ich nicht beurteilen – ich seh NUR das Buch!) Und überhaupt: Wer braucht bitte ein Buch in der Informatik? Also: Ein Schulbuch? Gibt’s das denn im Sportunterricht? Oder in Kunst? Achso, an den Computer können die Kinder ja nicht gehen, gibt ja so wenige? Und da sind dann immer alle unruhig? Und der Lehrer kennt sich da auch nicht soo gut aus? Unterricht muss quasi mit dem Schulbuch stattfinden, weil es nicht anders geht – oder – wie?

Ihr wollt/könnt nicht auf das Schulbuch verzichten?

Ernsthaft: Dann lasst das einfach mit dem Schulfach Informatik sein. So bringt’s das auch nicht. Wenn sich Informatikunterricht im Jahr 2015 an diesem oder so einem Buch orientiert, kann man genau genommen auch gleich darauf verzichten. Weder vermittelt man damit hilfreiche Grundlagen, noch macht man Lust darauf, mit informatischen Kenntnissen die Welt zu gestalten.

(Ich hoffe natürlich, dass die „Maker Days for Kids„, die digitale offene Werkstatt, die gleich nach Ostern in Reichenhall ihre Türe öffnet, allen Mitmacher/innen Spaß macht, Lust darauf, die Welt mitzugestalten und die Neugierde für informatische Themen weckt).

P.S. Ich habe nachgesehen: Zumindest von Oldenbourg wird dieses Buch in dieser Ausgabe weiterhin zum Verkauf angeboten bzw. gibt es das Buch bei Amazon keine neuere Version zu endecken (Auflage von 2004). Ich resigniere.